· DRK Vorstandskolumne

Glück ist keine Arbeitgeberleistung – aber Arbeit darf glücklich machen

"Was uns bewegt?!" – Vorstandskolumne 08 2026

Zeitenwende – so kündigte unser Ex-Kanzler eine „neue Zeit“ an. Doch wer von uns denkt wirklich darüber nach, welche Zeit sich wendet? Und was hat das mit uns zu tun? Ja, wir sehen es an der geopolitischen Lage und am demografischen Wandel und atmen so manchen Wandel der äußeren Welt ein. Doch meinen wir wirklich, diese Veränderungen gehen an uns selbst vorbei? Oder meinen wir, wir machen einfach alles so weiter wie bisher, getreu dem Motto: „Wird schon!“? 

Ich meine, die Zeit ist reif für einen Bewusstseinswandel: Wir müssen darüber nachdenken, wie wir unser Leben neu in die Hand nehmen, und uns fragen, wer für unser Wohlbefinden, unsere Entwicklung, für die Entwicklung unseres Unternehmens und unser Glück verantwortlich ist. Geben wir uns mit mittelmäßiger Arbeitszufriedenheit zufrieden? Wie ist Ihre Antwort auf diese Frage?

Ein Arbeitgeber kann das private Glück seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht beeinflussen. Er kann persönliche Sorgen nicht auflösen (aber ja, er kann zuhören!), private Beziehungen nicht gelingen lassen und niemandem die Verantwortung für das eigene Leben abnehmen. Doch unsere Arbeit nimmt einen großen Raum in unserem Alltag ein, weshalb sie einen Beitrag zu einem erfüllten Leben leisten muss. Das ist unser Anspruch im DRK Parchim! 

Damit das gelingt, braucht es beides: gute Rahmenbedingungen durch das Unternehmen und die Bereitschaft jedes Einzelnen, diese Bedingungen verantwortlich mitzugestalten. Nur im Einklang dieser beiden Voraussetzungen wird die Zukunft gelingen.

Verbundenheit mit unserem Unternehmen zeigt sich dabei nicht nur darin, dass wir das Logo auf unseren T-Shirts tragen. Sie beginnt im Inneren und wächst, wenn wir den Sinn unserer gemeinsamen Aufgabe im DRK Parchim verstehen: Wir sind für die uns anvertrauten Menschen da und tragen mit unserem wahren Interesse und unserem Können zu ihrer Entfaltung, ihrer Gesundheit und ihrem Wohlergehen bei – egal in welcher Einrichtung und in welcher Tätigkeit. Unsere Verbundenheit wächst, wenn wir fühlen, welchen bedeutsamen Beitrag unsere Arbeit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leistet, worauf wir alle sehr stolz sein dürfen!

Dabei bedeutet echte Identifikation mit unserer Arbeit nicht, alles kritiklos gutzuheißen. Im Gegenteil: Wer sich mit dem Deutschen Roten Kreuz in Parchim verbunden fühlt, schaut hin, spricht Schwierigkeiten an und übernimmt Mitverantwortung für Lösungen. Diese Verbundenheit entsteht jeden Tag neu – durch unsere Entscheidungen, unsere Haltung, die Qualität unserer Arbeit und die Art, wie wir miteinander umgehen. Dazu gehört eine offene Kommunikation. Gemeint ist nicht die Kommunikation im Flur oder in der Raucherecke, bei der Unzufriedenheiten weitergetragen werden, ohne etwas zu verändern (auch wenn ein bisschen Tratsch dazugehört und auf seine Weise verbindet). Gemeint sind vielmehr Ihre Haltung und Ihr Mut, Beobachtungen, Ideen und Bedenken dort einzubringen, wo sie wirksam werden und zur Lösungsfindung beitragen können. Selbstverantwortung beginnt mit der Frage: Was kann ich selbst dazu beitragen, dass es besser wird?

Wer Verantwortung übernimmt, wartet nicht ausschließlich darauf, dass „die da oben“ etwas verändern. Wir schaffen es nur zusammen, denn ein Gegeneinander schwächt uns und spielt der Konkurrenz in die Karten. Diese Haltung wird immer wichtiger, da sich Unternehmen und Einrichtungen auf einen veränderten Markt, neue Erwartungen und gesellschaftliche Entwicklungen einstellen müssen. Die Fragen der Gegenwart und der Zukunft lassen sich nicht mehr mit den Antworten der Vergangenheit lösen. Es ist wie bei einem alten Betriebssystem: Eine neue App allein genügt nicht, wenn die grundlegende Architektur nicht mehr zu den heutigen Anforderungen passt. Ein solches altes Betriebssystem ist die Vorstellung, der Arbeitgeber müsse alles richten und sei allein für Motivation, Zufriedenheit und Wohlbefinden verantwortlich – ebenso wie die Haltung eines Mitarbeitenden, der denkt: „Ich kann da sowieso nichts gegen machen“ oder „Das war schon immer so!“.

Nein, zukunftsweisend ist eine Kultur geteilter Verantwortung. Das DRK sorgt für faire Bedingungen, verlässliche Strukturen, gute Führung, Beteiligungsmöglichkeiten und Entwicklungsspielräume, während unsere Mitarbeitenden ihre Kompetenz, ihre Aufmerksamkeit, ihre Ideen und ihre Bereitschaft zur Mitgestaltung einbringen. Aus diesem Zusammenspiel entstehen Vertrauen, Verbundenheit und Zukunftsfähigkeit. Überprüfen wir uns! Denn es gilt, Gewohntes und unsere eigene Haltung zu hinterfragen, Neues auszuprobieren und nicht jede Veränderung sofort als Zumutung zu betrachten.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn ich durch unsere Reihen schaue, stimmt mich der Blick in die Zukunft sehr zuversichtlich. Die Freundlichkeit, die Zugewandtheit und das Qualitätsverständnis in unseren Einrichtungen zeigen mir, dass unser Unternehmen über jede Menge Potenzial verfügt, diese Zeitenwende zu erkennen, unseren eigenen Anteil an der Veränderung wahrzunehmen und sie gemeinsam zu gestalten. Ja, dieser Blick macht Lust auf Zukunft und ist ein Teil meines Glücks!

Deshalb richtet sich diese Einladung an uns alle: Lassen Sie uns unsere Arbeit nicht als etwas betrachten, das lediglich mit uns geschieht. Lassen Sie uns unseren Anteil daran erkennen, wie jeder Einzelne Zusammenarbeit, Qualität und Entwicklung gestaltet und sich für diese Kultur des Miteinanders einsetzt. Vielleicht liegt darin eine wesentliche Voraussetzung für ein gutes Arbeitsleben: nicht auf das vollkommene Glück zu warten, sondern die eigene Wirksamkeit zu entdecken. Wer sich verbunden fühlt, Verantwortung übernimmt und mitgestaltet, erlebt Arbeit nicht nur als einen Ort des Geldverdienens, sondern als einen Ort, an dem Sinn, Entwicklung, Wohlfühlen und auch Glück möglich sind.

Gestalten wir unser Glück gemeinsam! 
Herzliche Grüße und auf bald!

Ines Müller
Fachbereichsleitung Kita
Mitglied des Vorstandes

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