· DRK Vorstandskolumne

Nicht, was du tust. Sondern wer du bist.

"Was uns bewegt?!" – Vorstandskolumne 06 2026

Wann haben Sie zuletzt jemanden gefragt: Wer bist du?

Nicht: Was machst du?

Nicht: Was verdienst du?

Nicht: Was hast du erreicht?

Sondern: Wer bist du , wofür stehst du– und wofür schlägt dein Herz?

Unsere Welt ist gut darin geworden, Antworten auf die falschen Fragen zu geben.

Wir messen Sicherheit in Versicherungspolicen, Erfolg in Zahlen und Glück in dem, was wir uns neu kaufen können. Wir optimieren, vergleichen, steigern. Und wir klatschen – oft am lautesten, wenn es eine Gehaltserhöhung gibt.

Aber was, wenn wir dabei etwas Entscheidendes übersehen?

Das Leben ist kein Produkt. Es ist kein Projekt, das man abschließt, kein Besitz, den man vermehrt.

Das Leben ist ein Prozess. Ein lebendiger, manchmal widersprüchlicher, oft herausfordernder Prozess – der vor allem eines ist: Beziehung, in Beziehung sein zu anderen Menschen.

Der Soziologe Hartmut Rosa nennt das: Resonanz, in der es darum geht, dass beide Seiten ihre eigenen Gedanken und Gefühle in etwas Gemeinsames einbringen. Diese Art von Beziehungen ermöglicht uns, miteinander umzugehen und uns zu entwickeln - ohne Konkruenz und Vergleich.

Denn: Glück entsteht nicht im Warenkorb. Glück entsteht in der wohlwollenden, offenen Begegnung. Es entsteht in dem Moment, in dem wir einander wirklich zuhören. In dem Moment, in dem wir uns zeigen und uns auf unser Gegenüber einlassen.

Und vielleicht liegt genau hier der eigentliche Perspektivwechsel:

Weniger fragen: Was bringt mir das?

Mehr fragen: Wie können wir uns gegenseitig stärken? Wie können wir uns verbinden?

Gerade jetzt, wo vieles unsicherer wird, wo Gewissheiten bröckeln und Ressourcen knapper werden, hilft es wenig zu fragen, wer schuld ist. Entscheidend ist die andere Frage: Was kann aus der Vergangenheit lernen und selbst beitragen, damit es in der Zukunft besser wird?

Denn die Zukunft passiert nicht einfach. Sie entsteht – durch uns. Wir haben es in der Hand!

Im Deutschen Roten Kreuz in Parchim steht der Mensch im Mittelpunkt. Nicht als Schlagwort, sondern als Haltung. Das heißt auch: Wir haben die Chance – und die Verantwortung –, eine Kultur des wohlwollenden Miteinanders vorzuleben. Eine Kultur, in der wir uns als Menschen begegnen.

Eine Kultur, in der wir Stärken sehen – bei anderen und bei uns selbst. Denn nur wer sich selbst annimmt, kann auch anderen offen begegnen.

Das braucht Mut: den Mut, nicht sofort zu bewerten, nicht alles schwarz-weiß zu sehen, sondern erst einmal den anderen versuchen zu verstehen. Unterschiedlichkeit nicht als Problem zu begreifen, sondern als Möglichkeit, gemeinsam etwas Neues entstehen zu lassen.

Ich freue mich auf die nächsten Begegnungen! 


Herzliche Grüße!
Steffen Kanert
Geschäftsführer