“Alles neu macht der Mai” – so dichtete Hermann Adam von Kamp bereits 1818. Keine Sorge: Wir werden hier nicht alles auf links drehen. Aber vielleicht an der einen oder anderen Stelle neu denken. Und genau deshalb darf ich Sie herzlich zur ersten Vorstandskolumne begrüßen – verbunden mit dem Wunsch, dass sie Ihnen neben einem kleinen Denkanstoß auch ein wenig Bewegung beschert.
Manchmal entsteht der Eindruck, wir seien ein wenig… nennen wir es: vorsichtig geworden. Ein unbedachtes Wort, eine neue Idee, ein Vorschlag zur Veränderung – und schon geht ein spürbares Raunen durchs Haus. „Schon wieder etwas Neues?“, „Warum jetzt anders?“, „Das haben wir doch immer so gemacht!“
Man könnte fast glauben, wir hätten uns stillschweigend darauf verständigt, dass Veränderung bitte ausschließlich im Zuständigkeitsbereich der anderen stattfindet.
Dabei leben wir in einer Zeit, in der Stillstand eher Wunschvorstellung als Option ist. Die Welt um uns herum ist komplexer, schneller und, ja, auch herausfordernder geworden – politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich. Krisen kündigen sich nicht mehr höflich an, sie sind einfach da. Dass uns das nicht unberührt lässt, ist nur menschlich.
Aber es ist nicht unser Anspruch.
Denn wenn wir ehrlich sind: Das DRK Parchim war noch nie dafür bekannt, den bequemeren Weg zu wählen. Unsere Arbeit beginnt oft genau dort, wo es anspruchsvoll wird. Wir gehen hin, wo Unterstützung gebraucht wird – nicht irgendwann, sondern dann, wenn es darauf ankommt.
Und dennoch verlieren wir uns im Alltag gelegentlich im Kleinen: im Kommentieren von Umständen, im Festhalten am Gewohnten, im vorsichtigen Abstand zu allem, was neu ist.... manchmal in Problemen und nicht in Lösungen.
Das ist verständlich – aber es ist nicht unser Maßstab.
Wir stehen für Werte, die mehr sind als wohlklingende Begriffe: Vertrauen, Verantwortung, Respekt, Empathie, Ehrlichkeit und Menschlichkeit – ergänzt durch die Grundsätze des Roten Kreuzes: Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Dieses Fundament trägt uns – gerade dann, wenn es im Außen unruhig wird.
Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung also weniger darin, die Welt zu verändern, sondern vielmehr darin, bei uns selbst zu beginnen.
Ein wenig mehr Offenheit.
Ein wenig weniger „Ja, aber…“.
Ein wenig mehr Freundlichkeit.
Ein wenig mehr den Perspektivwechsel.
Und ein Stück mehr Verantwortung – nicht nur für Aufgaben, sondern auch für unsere Haltung.
Wir haben jeden Tag die Möglichkeit, unser unmittelbares Umfeld positiv zu gestalten: im Umgang miteinander, in der Zusammenarbeit und in der Frage, ob wir Probleme lediglich benennen oder auch anpacken.
Und ja, das bedeutet auch: raus aus der Komfortzone – und hinein in die Gestaltung. Am besten gemeinsam. Das ist auch das Leben.
Denn seien wir ehrlich: Wir arbeiten nicht irgendwo. Wir arbeiten beim Deutschen Roten Kreuz Parchim – in einer Organisation, die jeden Tag einen Unterschied macht. Hier ist Hilfe nicht nur ein Angebot. Sie ist unsere DNA, sie ist Berufung und sie ist Auftrag. Darauf dürfen wir stolz sein. Und dieser Stolz darf sich auch zeigen: in unserem Handeln, in unserem Miteinander und in unserem Mut, Dinge anzupacken.
Vielleicht ist genau jetzt ein guter Moment für etwas wirklich Ungewöhnliches: einfach anzufangen. Gemeinsam. Miteinander. Nicht perfekt. Nicht frei von Zweifeln. Aber mit Haltung, Zuversicht und dem klaren Willen, Verantwortung zu übernehmen. Die Welt wird dadurch nicht sofort ruhiger.
Aber sie wird an der einen oder anderen Stelle ein kleines Stück besser.
Und genau dafür sind wir da!
Herzliche Grüße!
Steffen Kanert
Geschäftsführer
Vorstandskolumne “Was uns bewegt?!” von Mai '26 als PDF Download